21072016 Gedächtnis

Jetzt zerbreche ich mir schon seit Tagen den Kopf über das Gedächtnis. Dabei habe ich immer psychologische Experimente im Hinterkopf, die zeigen, dass "sich an etwas erinnern" immer bedeutet im Hier und Jetzt mentale Verknüpfungen herzustellen, die in jedem Moment neu erschaffen werden und es nicht bedeutet aus einem "Sack" eine "Erinnerung" "herauszunehmen". Hier gibt es von dem Designer Gimini ein anschauliches "Experiment". Er hat Menschen aus dem Gedächtnis Fahrräder zeichnen lassen - und wie zu erwarten war, stellten die Probanden fest, dass sie eigentlich gar nicht wissen, wie ein Fahrrad wirklich aussieht. Sie konstruieren sehr ansehnliche "Fantasieräder". Wir glauben also, uns an "etwas" zu erinnern, von dem wir meinen, wir "wüßten" was es "sei", nur um dann festzustellen, dass wir es nur sehr ungenau im Hier und Jetzt immer wieder neu "erfinden". 

Wie anders sähe die Welt aus, wenn Menschen sich dieses permanenten Konstruktionsprozesses nur bewusst wären.


19062016 Schreiben

Jetzt habe ich ca. acht Jahre lang kaum etwas geschrieben, außer eine kurze Diplomarbeit für mein Shiatsudiplom 2011. Das Thema war - im Rückblick auch interessant - "Sei, der du bist" - Selbstakzeptanz. Das ist eine Arbeit, die in den Tiefen meiner Regale verschwunden ist, denn sie versucht mit japanischen Begriffen, wie kyo oder jitsu, Verdichtungen in der körperlichen "Matrix" zu beschreiben. Und die Selbstakzeptanz durch Shiatsu zu steigern. Sich annehmen. Sich berühren lassen. Sich (wieder) spüren können. Meine Klientin war eine Mutter, die mit ihrem Übergewicht kämpfte, wie gegen einen Dämon und sich aufgrund ihres Übergewichts kaum mehr im Spiegel betrachten konnte. Ich begleitete sie über ein halbes Jahr, ungefähr alle zwei Wochen hatten wir einen Shiatsutermin. Fazit: Das Wohlbefinden ist gestiegen, die Selbstakzeptanz auch. Mittlerweile hat sich ihr Leben gewandelt. Das Übergewicht ist immer noch da. Aber es stellt kein Problem mehr da.

Und nun schreibe ich nach langer Zeit wieder. Es tut gut. Und macht Spaß. Und was die Kinder anbelangt, die hier omnipräsent sind - auch in der Veranda, in der mein Büro ist - und meinen Denkfluss laufend unterbrechen, so ist die beste Lösung: noch mehr Kinder. Wenn Freunde hier übernachten, dann sehe und höre ich stundenlang nichts, sogar die Kleinste darf mitspielen und will nicht den halben Tag unterhalten werden (lies mir was vor, spiel mit mir, schaukel mich an, geh mit mir schwimmen, ich will ein Eis, ich muss aufs Klo, ich ....). Es herrscht dann eine merkwürdige Stille im Haus. Wenn das keine paradoxe Intervention ist. 


12062016 Gee...look at all the little black dots

Das Verhältnis zwischen Note und Ton ist vergleichbar dem Verhältnis zwischen Buchstabe und Laut. Und genauso wie eine Note nicht Musik ist, ist ein Buchstabe nicht Sprache. Genauso wie Musik nicht auf die Welt referiert, referiert ein Laut nicht auf etwas >jenseits< von ihm, etwas, auf das er nur hinweist (auch wenn er das kann). Vielmehr ist der Laut und das durch ihn Bedachte die Verkörperung von Sprache. Wo Buchstaben/Noten auf etwas verweisen, auf etwas zeigen. Sie zeigen, wie die Finger zu positionieren sind, wie der Mund zu formen ist, wie der Bogen zu halten ist. Und auch die Leerheit zwischen den kleinen schwarzen Punkten verweist auf ein Tun in der Zeit - und sei es nur ein Nichtstun.

07062016 Trattenbach/Wechsel

Lernte heute im Pflegezentrum eine Dame kennen, JG 1922, die in Trattenbach aufgewachsen ist, jenem Ort, an dem Wittgenstein von 1920 - 1922 Volksschullehrer war. Natürlich besuchte sie auch die Volksschule in Trattenbach und kannte auch den Namen Wittgenstein. Das ist sehr ungewöhnlich in einem Pflegenheim. Sie meinte, er wäre immer durch den Ort gelaufen. Also nachdem sie ja quasi noch gar nicht geboren war, als Wittgenstein dort unterrichtete, ist die Information mit Vorsicht zu geniessen - aber sei es drum. 


03062016 Hände

Dieses Wunderwerk. Hand. Welt umfassen. Begreifen. Etwas nehmen. Annehmen. 

03062016 Rameau am Morgen

Hörte heute Morgen auf der Fahrt nach Wien dieses Stück von Rameau auf Ö1. Zum Nachhören empfohlen. Heute Abend steigt das Stück "Der verlorene Sohn" - eine Benefizveranstaltung für ein herzkrankes Kind in der Klosterkirche des Sacre Coeur Pressbaum - und meine Tochter wird die Mutter spielen. Ich werde in der Mitte zu weinen beginnen (mache ich grundsätzlich - und ist allen total peinlich) und dann dramatisch das Taschentuch zücken.

29052016 Naomi Feil

Gerade lese ich u.a. N. Feil "Validation in Anwendungen" (2013, Reinhardt) und hier findet sich etwas Schönes: 

"Wenn die zeitliche oder örtliche Gegenwart verblasst, wenn der Beruf nicht mehr lebensbestimmend ist, gesellschaftliche und soziale Verpflichtungen ihre Bedeutung verloren haben, dann schimmert die grundlegende menschliche Natur durch. " (S. 22)


29052016 Über diesen Blog

Hiermit beginne ich meinen Blog. Nachdem ich nun schon seit Monaten ein fremdes Tagebuch benutzt habe, um meine Gedanken dort festzuhalten, kam mir heute Morgen die Idee, ein eigenes zu beginnen. Und hier ist es nun.

Das Bloggen hat den Vorteil, dass es tagesaktuell die Befindlichkeiten des Bloggers festhält. In diesem Blog soll es aber nicht primär um meine Befindlichkeiten gehen, sondern um die Anwendung non-dualistischer Philosophie. Unter Non-Dualismus verstehe ich ganz einfach die Idee, dass unsere Gedanken mit dem Bedachten immer schon verwoben sind, auch wenn wir meinen, dass die Gedanken dem Bedachten irgendwie hinterherlaufen (also dort das Bedachte - sagen wir der Vogel in der Wiese - und hier der Gedanke, der versucht, das Bedachte einzufangen). Tatsächlich wird sich jedoch zeigen: kein Vogel ohne Vogel-Gedanken. Damit ist man mitten drinnen in systemisch-konstruktivistischen Überlegungen, die sich in allen Bereichen des Lebens - also überall wo Gedankenkörper vorkommen - anwenden lassen. Und darum geht es hier.